Wölfe und Schafe

So sieht er aus, der Wolf. Unser größtes Raubtier in Deutschland.
So sieht er aus, der Wolf. Unser größtes Raubtier in Deutschland.

Seit einigen Jahren wird der Wolf wieder in Deutschland heimisch. Der Wolf, seit Jahrhunderten als gefährlich für Mensch und Tier angesehen, wird plötzlich als liebens- und begrüßenswert deklariert. Trotz einer großen Naturliebe und trotz Verständnis für die Bemühungen, die Artenvielfalt zu erhalten, ist der Wolf für uns Schafhalter eine großes Problem. Im Jahr 2015 haben wir ca. 300 Wölfe , die sich überwiegend in der Region Sachsen, Brandenburg  und Niedersachsen bewegen. Die Schäfer in Sachsen haben sich nach großen Tierverlusten inzwischen, auch durch finanzielle Unterstützung, darauf eingestellt und schützen die Herden durch Schutzzäune und Herdenschutzhunde.

 

In Niedersachsen und auch bei uns in Schleswig - Holstein ist die Schafhaltung sehr viel größer strukturiert, weil wir an den Seedeichen als auch den Flußdeichen große Herden haben, die die Deiche pflegen. Hier ist eine Umzäunung in vielen Fällen nicht möglich und Herdenschutzhunde sind ohne Umzäunung auch nicht erlaubt. Auch die Pflege von Naturschutzflächen durch Schafe ist großräumig und kann nicht eingezäunt werden. Aber auch der kleine Hobbyschafhalter wird Probleme bekommen, weil die sichere Aufstellung von Elektronetzen eine enorme Arbeitsbelastung darstellt, die häufig nicht zu leisten ist. Gerade im Frühjahr und Sommer, wenn der Aufwuchs erfreulich ist, muß der Zaun auf ganzer Länge alle 2-3 Tage freigemäht werden um Stromableitungen durch den Aufwuchs zu verhindern. Dazu muß der Zaun  immer umgesetzt werden. Bei nur 1 ha schon 8 Zaunteile a 50 m.

 

Natürlich hat kein Schäfer Angst um sein eigenes Leben, weil es umgekehrt ist, der Wolf hat große Angst vor dem Menschen, der ihn Jahrhunderte verfolgt hat. Aber die Schafe sind eine willkommene und leichte Beute. Und wer das Ausmaß des Wolfsrisses bei Schäfer Jan Siebels  in Rodenbek bei Kiel mit 52 toten Tieren gesehen hat, muß schon fanatisch und ignorant sein, wenn er den Wolf verharmlost.

 

Bisher ist Schleswig-Holstein nur Durchzugsgebiet für einzelne Wölfe, aber da die Wolfpopulation mit dem Faktor 1,45 wächst, werden wir in nur 5 Jahren schon fast 2000 Tiere in Deutschland haben, die sich dann neue Lebensräume suchen müssen.

Da der Wolf offensichtlich zunehmend die Scheu vor den Siedlungsräumen verliert, wird er uns und unseren Tieren näher kommen. Die eigentlich gewünschte Tierhaltung auf der freien Fläche wird nicht mehr möglich sein und einer überwiegenden Stallhaltung unserer Nutztiere weichen, mit all ihren unerwünschten Nebenwirkungen. Eine grausame Vorstellung.

 

Auch die für uns alle wichtige Deichpflege durch die Schafe wird nicht mehr möglich sein.

Für die Nutztierhalter und uns Schafhalter insbesondere zeichnet sich eine schlimme Zukunft ab. Eine mächtige Naturschutzorganisation mit massenhaft öffentlichem Geld ausgestattet, propagiert einen Artenschutz, der vordergründig ist und ohne Rücksicht auf die betroffenen Menschen seine überzogenen Ziele durchsetzt, auch ohne an die Konsequenzen, die sich in einigen Jahren ergeben, zu denken oder sie stillschweigend zu akzeptieren. Frei nach dem Motto: Soll der Mensch doch weichen.

 

Wölfe und Schafe können nicht zusammen leben. Wir sind für Schafe.
Wölfe und Schafe können nicht zusammen leben. Wir sind für Schafe.


      Liebe Schaffreunde, liebe Wolfsfreunde und Wolfsgegner das Thema Wolf läßt uns nicht los.

Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky vergrößert die Sorgen der Schafhalter.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion am 12.1.2016 im Kieler Landeshaus hat der Wildbiologe und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky in einem Vortrag “ Von Menschen und Wölfen” viele Vorurteile über den Wolf ausgeräumt und viele Ängste genommen. Insofern waren Wolfsbefürworter und Wolfsgegner wohl einer Meinung. Nicht ausräumen konnte er die Sorgen der Schafhalter, die sich nach den schrecklichen Schafsrissen in Schierensee, etwas südlich von Kiel, um die Sicherheit ihrer Herden Sorgen machen.
Herr Wotschikowsky hat bei einer nur 30 % tigen Vermehrungsrate der Wölfe ( andere Experten reden von über 40%) prognostiziert, daß die derzeitigten ca. 30 Rudel, (1 Rudel = ca. 9 Wölfe ) die es in Deutschland gibt, sich in absehbarer Zeit auf bis zu 165 Rudel vermehren können, was der EU-Forderung nach einem günstigen Populationsstatus der Wölfe entsprechen würde, wenn sich auf der polnischen Seite eine ca. gleichgroße Wolfspopulation entwickeln würde. Die Wölfe in Polen und in Deutschland rechnet man aus genetischer Sicht zur zentraleuropäischen Flachlandpopulation und sollte sie deshalb immer als Einheit ansehen. Rein theoretisch wäre sogar für ca 440 Rudel Lebensraum in Deutschland vorhanden. Ob die Population sich überhaupt so stark vermehrt und wie weit der gesellschaftliche Konsens solche Zahlen noch toleriert, ist zur Zeit nicht vorhersehbar.
Für uns Schafhalter aber erschreckende Mitteilungen. Leider hatte er für uns Schleswig-Holsteiner auch keine Lösungen parat.
Herr Wotschikowsky hatte den am schlimmsten betroffenen Schäfer Jan Siebels besucht und sich über die Schafhaltung in S-H informiert. Dabei mußte er erkennen, daß eine Sicherung der Schafherden in unserer weitläufigen , offenen Weidehaltung mit den derzeitigen Möglichkeiten ( Elektozaun, Herdenschutzhund, feste Einzäunung ) nicht möglich ist.
Als erster Wolfsexperte hat Herr Wotschikowsky sich ernsthaft mit den Sorgen der S-H Schafhalter auseinandergesetzt und hat erkannt, daß in S-H in vielen Bereichen die Schafe nicht vor dem Wolf geschützt werden können. Er fordert dazu auf, die besten Experten auf dem Gebiet der Tiersicherung zu Rate zu ziehen um hier Lösungen zu finden. Er schließt als letzte Lösung aber auch eine “no go Area” Zone für den Wolf nicht aus, wobei die jetzige Gesetzgebung hier wohl unüberwindliche Hürden aufgestellt hat.
Wir haben in S-H bis auf bedauerliche Einzelfälle noch nicht unter den Wölfen zu leiden, aber wenn wir die riesigen Probleme im Bereich Vechta/ Diepholz und unserer französischen Schäferkollegen sehen, sind unsere Sorgen sicher berechtigt und der Druck auf die Politik, sich um Lösungen und Hilfen zu kümmern, noch nicht stark genug.
Mit lieben Grüßen
Carl Wechselberg

Ps. Ein Vortrag von Herrn Wotschikowsky mit dem Titel “ Was kommt da auf uns zu?” ist bei You Tube zu sehen https://www.youtube.com/watch?v=PtCHCXqT-Hg